Eine Publikation der Binkert Medien AG
Ausbruch- und Bauarbeiten für die Kavernenzentrale eines Pumpspeicherwerks mit Industriegetrieben : Ausgabe 02/2013, 05.10.2013

Schwerstarbeit in den Alpen

Es ist ein anspruchsvolles Bauvorhaben in den Schweizer Alpen: Auf rund 1700 m ü.M. entsteht 600 m im Felsinnern die unterirdische Kavernenzentrale für ein Pumpspeicherwerk. Bei einer Steigung von 45 Grad und einer Höhendifferenz von rund 180 m transportieren Förderanlagen in einer Zwischenstation 500 t Abbruchmaterial pro Stunde.

Das Ausbauprojekt «Linthal 2015» ist das grösste Wasserkraftprojekt der Schweiz. Die Leistung der bestehenden Kraftwerke wird von 480 auf 1480 MW erhöht. Ein unterirdisches Pumpspeicherwerk soll Wasser aus dem bestehenden Stausee Limmernboden auf 1860 m ü.M. in den rund 600 m höher gelegenen Muttsee pumpen und im Turbinenbetrieb wieder für die Stromproduktion nutzen. Bauherr dieses Projekts ist die zur Axpo Holding AG gehörende Kraftwerke Linth-Limmern AG.

Das Bauvorhaben umfasst Ausbruch- und Bauarbeiten für die Kavernenzentrale des Pumpspeicherwerks und des Triebwassersystems. Die Kavernenzentrale ist das Herzstück, sie besteht aus einer rund 150 × 30 × 53 m hohen Maschinenkaverne sowie aus einer separaten Transformatorenkaverne von rund 130×20×25 m. Sie schafft das Verbindungsglied zwischen den beiden Seen über einen Oberwasserstollen, zwei parallel geführte Druckschächte und Unterwasserstollen. Für den höher gelegenen See ist der Bau einer neuen Schwergewichtsmauer nötig, um das Speichervolumen von heute 9 auf 25 Mio. m³ zu erhöhen. Ausserdem muss man das bestehende Ausgleichsbecken erweitern.

Getriebe mit Bremsensteuerung treiben das Förderband an

Die Ausbrucharbeiten für beide Kavernen sind abgeschlossen. Der Strossabbau (Felsausbruch) erfolgte im Durchlaufbetrieb, d.h. 7 Tage pro Woche während 24 Stunden im 3-Schicht-Betrieb. Die Kavernen wurden von oben nach unten ausgebrochen. Pro Tag fielen rund 800 m³ Ausbruchmaterial an, insgesamt von beiden Kavernen 2,4 Mio. m³.

Industriegetriebe von Nord Drivesystems trieben die Förderanlage im mittleren Bereich des Bauprojekts an. Bei einer starken Steigung von 45 Grad und rund 180 m Höhendifferenz beförderten zwei «S-Förderer» pro Stunde jeweils 500 t Material über eine Strecke von rund 260 m nach untern in eine Brecheranlage. Das eingesetzte Getriebe mit Bremsensteue- rung generierte gleichzeitig Strom. Ein zweites Förderband transportierte das zerkleinerte Material wieder nach oben ins Kieswerk zur Zwischenlagerung und Weiterverarbeitung. Zwei über eine Welle verbundene Getriebe rechts und links der Anlage treiben das Förderband mit einer Bandgeschwindigkeit von 2,2 m/s an. Die in Schutzart IP 55 ausgeführten Industriegetriebe verfügen über eine Antriebsleistung von jeweils 250 kW.

Blockgehäuse mit hoher Genauigkeit und Steifigkeit

Nord hat die verwendeten Getriebe nach dem Prinzip des Blockgehäuses entwickelt. Im einteiligen Gehäuseblock sind alle Lagerstellen integriert. Die Fertigbearbeitung des Blocks erfolgt in einer einzigen Aufspannung auf modernen CNC-Maschinen. Hohe Genauigkeit, Steifigkeit und Festigkeit zeichnen die Gehäuse aus. Es gibt keine Trennungen zwischen Antriebsseite und Getriebegehäuse, die querkraft- oder drehmomentbelastet sind. Durch den Versatz der Wellenachsen ist die Bauweise sehr kompakt. Zudem garantiert der Einsatz grösserer Wälzlager eine hohe Lagerlebensdauer. Industriegetriebe kann man sowohl links als auch rechts einsetzen.

Komplettanbieter dieser Antriebslösung war die Getriebebau Nord AG Schweiz – ein Mitglied der Nord-Drivesystems-Gruppe. Kundenorientierung und Kundennähe sind den Antriebsspezialisten aus Arnegg bei St. Gallen besonders wichtig. Geschäftsführer Guido Eigenmann ist es wichtig, dass sie nicht nur Produkte verkaufen, sondern Kundennutzen. Sie bieten ein umfangreiches Servicepaket. Neben Inbetriebnahme führt das Unternehmen auch Wartungsschulungen durch, damit die Kunden wissen, welche Dinge es zu beachten gilt. Uns ist es besonders wichtig, effiziente und wirtschaftliche Komplettsysteme zu liefern, die auf die individuellen Kundenbedürfnisse angestimmt sind.

Gute Zusammenarbeit zeichnet das Projekt aus

Anlagenbauer und Auftraggeber von Nord Drivesystems ist die im Jahr 2002 gegründete Marti Technik AG. Das international tätige Unternehmen gehört zu den zahlreichen im In- und Ausland vertretenen Tochtergesellschaften der Marti Holding AG aus der Schweiz. Die Firma bietet vor allem im Umfeld des Untertagebaus individuelle, massgeschneiderte Lösungen. Aufbauend auf ihren langjährigen gesammelten Erfahrungen bei Grossbaustellen und Projekten für Dritte hat sich das Unternehmen insbesondere auf die Gebiete Vortriebsanlagen, Fördertechnik, Schaltungsbau, Anlagenbau Steine und Erden, Infrastrukturanlagen – Ausrüstung und Unterhalt – sowie Elektrotechnik spezialisiert.

Ernst Kuster, Leiter Unterhalt und Verantwortlicher für die Anlagen, ist zufrieden mit den Förderantrieben und den Serviceleistungen. Er betont die gute Zusammenarbeit mit Nord. Auf die Wünsche ist der Getriebebauer jederzeit eingegangen. Bemerkenswert sei auch die gute Lieferperformance. Von der Bestellung bis zur Lieferung vergingen gerade einmal etwa zehn Wochen. Weitere Pluspunkte sind das gute Preis/Leistungs-Verhältnis, kompetente Beratung und Support sowie hohe Produktqualität.

Katalog Industriegetriebe: 02_13.50.pdf

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Getriebebau Nord AG
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Das Ausbauprojekt «Linthal 2015» ist das grösste Wasserkraftprojekt der Schweiz


Ein Nord-Industrie-getriebemotor des Typs SK 12407 treibt das untere Förderband an

Quick-Link

Projekt Linthal 2015 www.polydrive.ch/2013/linthal