Eine Publikation der Binkert Medien AG
Akademischer Motorsportverein Zürich gewinnt Formula Student Germany : Ausgabe 02/2014, 08.10.2014

Die bisherigen Ergebnisse zu übertreffen, ist auch dieses Jahr unser Ziel

Mit einer überragenden Leistung gewann der Akademische Motorsportverein Zürich – kurz AMZ – Anfang August den für ihn wichtigsten Wettkampf der Saison, die Formula Student Germany. Was das Team besser macht als die anderen, welche Zukunft Elektrofahrzeuge haben und wie es weitergeht, sagt Jonas Abeken vom AMZ im Interview.

Autor: Sarah Schweizer

Herzliche Gratulation zum Sieg – wie fühlt es sich an, Gewinner der Formula Student Germany zu sein?

Jonas Abeken: Vielen Dank! Es ist ein unglaubliches Gefühl der Freude und auch der Erleichterung. Wir sind die letzten drei Jahre am Hockenheim-Ring immer knapp auf dem zweiten Platz gelandet. Es ist daher etwas ganz Besonderes für uns, endlich den Pokal in den Händen zu halten!

Sie erzielten bereits in den statischen Wettbewerben gute Ergebnisse, vor allem im Engineering Design. Was macht der AMZ besser als die anderen Teams?

Abeken: Ich denke, eine Besonderheit des AMZ ist, dass wir ein vergleichsweise kleines Team sind, aber alle überdurchschnittlich viel Energie in das Projekt investieren. Dadurch ist bei uns das gesamte Wissen über das entwickelte Auto sehr kompakt auf wenige Leute verteilt. So wird die Konstruktion und Bearbeitung von Schnittstellen deutlich effizienter.

Nach drei Jahren, die der AMZ mit Verbrennerfahrzeugen bestritt, wechselte das Team 2010 in die damals neu gegründete Elektroklasse. Warum?

Abeken: Das hat zwei Gründe: Zum einen war klar, dass eine Unterstützung der ETH nur weitergeführt werden würde, wenn man auf einen elektrischen Antrieb wechselt. Zum anderen bieten Elektrofahrzeuge sehr interessante, neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel Energierückgewinnung durch rekuperatives Bremsen oder Torque-Vectoring.

Mit der eigenen Klasse für Elektrofahrzeuge will der Formula-Student-Wettbewerb den Innovationsprozess bei elektrischen Antrieben unter ökologischen Gesichtspunkten vorantreiben. Welche Chance sehen Sie für Elektrofahrzeuge?

Abeken: Man kann inzwischen in vielen Bereichen den Fortschritt der Elektrofahrzeuge entdecken. Sei es bei Pkws wie dem I3 von BMW oder neuen Rennsportserien wie der Formula E – elektrische Antriebe erhalten überall mehr Bedeutung. In der Formula Student sind aufgrund der speziellen Rahmenbedingungen schon einige Elektroteams auf Augenhöhe mit den besten Verbrennerfahrzeugen. Letztes Jahr konnten wir mit unserem Sieg im englischen Silverstone als erstes Elektrofahrzeug in der Geschichte des Motorsports einen gemischten Wettbewerb mit Verbrennern gewinnen. Ein winziges Stück Motorsporthistorie, das sicher nicht das einzige Beispiel bleiben wird.

Wir sind auf Augenhöhe mit den Verbrennerfahrzeugen

Wie geht es weiter mit dem AMZ?

Abeken: Inzwischen ist die neue Saison in vollem Gange. Wir haben viele neue Mitglieder, die immer neue Motivation und neue Ideen mitbringen. Das spannende an einem Formula-Student-Fahrzeug ist, dass es nie wirklich vollendet ist – man findet immer Sachen, die sich im kommenden Jahr verbessern lassen. Bisher ist es uns jedes Jahr gelungen, die Ergebnisse des Vorjahres zu übertreffen, und das wird auch dieses Jahr das Ziel sein.

Infoservice

Akademischer Motorsportverein Zürich
Postfach 2, Rämistrasse 101, 8092 Zürich
Tel. 044 632 94 05
amz@ethz.ch, www.amzracing.ch



Mit «grimsel» gewann der Akademische Motorsportverein Zürich Anfang August die Formula Student Germany


Jonas Abeken: «Ein Formula-Student-Fahrzeug ist nie vollendet – man kann immer etwas verbessern»


Der AMZ – ein kleines Team, in dem alle überdurchschnittlich viel Energie in das Projekt investieren

Hintergrund

Dreissig Studierende der ETH Zürich und der Hochschule Luzern haben «grimsel», den Elektrorennwagen der aktuellen Saison, gebaut. Er ist 168 kg leicht und hat 201 PS. Der AMZ triumphiert sowohl mit Topplatzierungen in Acceleration und Skidpad als auch mit einem Sieg im Autocross. Beim finalen, über 22 km ausgetragenen Endurance-Rennen konnte sich der Schweizer Rennwagen gegen starke Konkurrenz der Universitäten Delft und Stuttgart durchsetzen und damit erstmals den Gesamtsieg der Formula Student Electric davontragen.

In der kombinierten Wertung der dynamischen Disziplinen konnte sich das AMZ-Racing-Team damit gegen die restlichen Teams behaupten und den Sieger der Verbrennerkategorie auf den zweiten Platz verweisen. Zusätzlich wurde die Ingenieursleistung des Teams mit dem «Best Power Systems»- und dem «Best E-Drive Packaging»-Award gewürdigt.