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Mikrowasserstrahl-Technologie verbessert Behandlung: Ausgabe 02/2018, 10.10.2018

Neue Hoffnung für Patienten mit chronischen Wunden

Auf der ganzen Welt leiden Menschen an chronische Wunden – wegen Diabetes und anderen Ursachen. Jetzt verspricht eine neue Mikrowasserstrahl-Technologie eine verbesserte Behandlung. Den nötigen Wasserdruck liefert ein kräftiger Flachmotor.

Autor: Stefan Roschi, maxon motor, Text und Bilder

Man könnte denken, eine sterile Flüssigkeit sei die erste Wahl, wenn es um die professionelle Reinigung von Wunden geht. Doch Ärzte haben in der Vergangenheit oft andere Methoden verwendet. So haben sie zum Beispiel abgestorbenes Gewebe chirurgisch mit dem Skalpell entfernt, absorbierende Verbände gelegt oder sogar Fliegenlarven eingesetzt. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, wobei gerade mit dem Skalpell die Gefahr gross ist, dass zu viel oder zu wenig Gewebe entfernt wird. Deshalb haben Medizintechniker in den letzten Jahren neue Methoden entwickelt für eine saubere und effi ziente Wundreinigung, bei der abgestorbenes Gewebe entfernt wird. In der Fachwelt spricht man bei dieser Art von Behandlung von Debridieren.

Das Prinzip entspricht einem Hochdruckreiniger
Ein vielversprechender neuer Ansatz ist die Wundreinigung mittels Mikrowasserstrahl- Technologie. Dabei erzeugt eine Pumpe hohen Druck und leitet die sterile Flüssigkeit über die Düse auf die Wunde. Das Prinzip ist ähnlich einem Hochdruckreiniger, mit dem man die Steinplatten im Garten von Moos befreit. Auf diese Metapher jedenfalls greift die Schweizer Firma Medaxis zurück, wenn sie erklärt, wie ihr Produkt funktioniert. Ihr Debritom- System ist seit Anfang 2018 auf dem Markt – nach einer mehrjährigen Entwicklungs- und Testphase – und soll bald auf der ganzen Welt in Wundambulatorien, Pfl egezentren sowie Notfallstationen zum Einsatz kommen. Die Voraussetzungen scheinen gut. Medaxis hat bereits einen regionalen Innovationspreis für sein Gerät erhalten.

Den Heilungsprozess wieder in Gang setzen
Das Debritom-Reinigungssystem soll vor allem Patienten zu Gute kommen, die mit chronischen und schlecht heilenden Wunden zu kämpfen haben. Solche Wunden beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich und benötigen regelmässige Behandlungen. Um die Heilung wieder richtig in Gang zu bringen, ist eine gründliche und schonende Reinigung nötig. Mit der Mikrowasserstrahl-Technologie lässt sich infi ziertes und beschädigtes Gewebe sauber und präzise entfernen. Gleichzeitig wird durch den gebündelten Wasserstrahl eine Mikroblutung ausgelöst, was ebenfalls zu verbesserten Resultaten führt. Zu diesem Schluss ist auch eine Studie gekommen, bei der während drei Jahren 90 Patienten mit der Mikrowasserstrahl-Technologie behandelt worden sind. Die Heilungszeit bei ihren Wunden hat sich im Vergleich zu anderen Methoden um rund 30 % reduziert.

Kompakte Bauweise und hohes Drehmoment
Medaxis als Start-up mit seinen sieben Mitarbeitern hatte für die Entwicklung des Wundreinigungsgeräts Debritom das benachbarte Medtech-Ingenieurbüro Carag beigezogen. Dessen Spezialisten standen vor der Herausforderung, einen bestehenden Prototyp zu modernisieren und dabei alle Medizinnormen zu erfüllen. Die Ingenieure haben unter anderem den pneumatischen Antrieb des Pumpsystems mit einem Elektromotor ersetzt: den EC fl at 90 von maxon. Dieser bürstenlose Flachmotor liefert ein hohes Drehmoment bei einer kompakten Bauweise. Er treibt über einen Zahnriemen eine Kurbelwelle mit zwei Zylindern an. Damit wird eine leichte Pulsation des Wasserstrahls generiert. Der Wasserkreislauf ist vom Antriebssystem getrennt mittels Einwegpumpen. Damit lassen sich die entsprechenden Hygieneanforderungen sicherstellen.

Bereits erste positive Rückmeldungen aus Spitälern
Bereits sind erste Feedbacks zum Debritom von Anwendern aus Spitälern da. Und sie sind positiv, wie Melanie Süess, Kommunikationsverantwortliche bei Medaxis sagt: «Zu Beginn ist jeweils eine Hemmschwelle vorhanden. Aber sobald die Wundspezialisten die Mikrowasserstrahl- Technologie eingesetzt haben, sind sie davon begeistert.»

Infoservice
maxon motor ag
Brünigstrasse 220, 6072 Sachseln
Tel. 041 666 15 00, Fax 041 666 16 50
info@maxonmotor.com, www.maxonmotor.com



Der Antrieb EC fl at 90 mit einer eisenbehafteten Wicklung ist dank seiner fl achen Bauform ideal für viele Anwendungen mit knappen Platzverhältnissen, wie bei diesem Debritom-System


Das Innenleben des Debritom mit dem Flachmotor EC flat 90 von maxon motor

Firmenprofil

Gründung: 1961, Familien-AG
Hauptaktionär: Dr. Karl-Walter Braun
Kerngeschäft: Antriebstechnik
Anzahl Mitarbeitende: Rund 2500 weltweit, davon über 1200 in Sachseln
Produktionsmenge: 5 Mio. Einheiten in ca. 12 000 Varianten
Vertriebsnetz: Weltweit, in 40 Ländern
Umsatz: CHF 459 Mio. konsolidiert (2017) 
Produkte: Bürstenlose und bürstenbehaftete DC-Motoren, Planetengetriebe, Stirnradgetriebe, Spezialgetriebe, Sensoren, Encoder, Servoverstärker, Positioniersteuerungen, CIM- und MIM-Komponenten, kundenspezifi sche Antriebe und Systemlösungen
Hauptmärkte: Medizintechnik, Industrieautomation, Sicherheitstechnik, Mess- und Prüftechnik, Kommunikation, Automobilindustrie, Consumer-Anwendungen, Luft- und Raumfahrt

Young Engineers Program


maxon motor hat das Young Engineers Program (YEP) ins Leben gerufen, um innovative Projekte zu unterstützen – mit vergünstigten Antriebssystemen und technischer Beratung. Kleine, innovative Projekte stehen oft vor den gleichen Herausforderungen: Fehlende fi nanzielle Unterstützung und fehlendes Know-how in Fachbereichen. Jede Hilfe ist da willkommen. Deshalb hat maxon motor das Young Engineers Program (YEP) geschaffen. Der Antriebspezialist unterstützt damit junge Unternehmen und Studentenprojekte der technischen Wissenschaften. Diese können sich auf der Website www.drive.tech für das Programm registrieren und erhalten je nach Unterstützungsgrad Motoren, Getriebe und Steuerungen von maxon zu Vorzugspreisen oder sogar kostenlos. Von treppensteigenden Rollstühlen zu Elektro-Rennautos. Mehrere Projekte aus der ganzen Welt sind bereits ins Programm aufgenommen worden. Darunter befi ndet sich das Schweizer Start-up Scewo, welches einen treppensteigenden Rollstuhl (Bild) auf den Markt bringen möchte. Aber auch Studententeams sind dabei, die bei der Formula Student mit Elektro-Rennwagen teilnehmen. Oder ein Team, das mit maxon Antrieben einen Open-Source-Rehabilitationsroboter verbessern will. Interessierte Personen erhalten Informationen zu YEP und ein Anmeldeformular unter: www.drive.tech